Sommerfliegen in Szatymaz

Hier veröffentlichen wir den Artikel unseres österreichischen Sportkameraden, der am Gastflug des Flugzeugklubs der Ungarischen Tiefebene in Szatymaz teilgenommen hat.
Wir heißen alle Besucher und Sportkameraden, die zu uns kommen möchten, herzlich willkommen.
 
This is an article from our fellow sportsman from Austria who attended a guest flight in Szatymaz organized by the Alföld Flight Club.
We welcome all fellow sportsmen visiting or planning to visit us.
 
Contact information:
In Hungarian and English: Mr Péter Szabó, Chairman of the Club, phone: +36709451637, e-mail:  szabopeter@szempair.hu
In ungarischer und deutscher Sprache: György Fráter, Klubsekretär, Telefon: +36309436748, e-mail: fratergy@gmail.com
 
 
„Martin, the MIG 29 actually flies like a really big glider, when the engines are not working – i know a few guys who are still alive because auf that!“
Ich saß nach einem wunderschönen Flug im Swimmingpool des Flugplatzes, wusch mir den Fliegerschweiß vom Rücken und unterhielt mich mit dem Schlepppiloten.
Nach der Abkühlung würde ich geruhsam meine geliebte DG 300 waschen und sie für die Nacht in ihre Jaxida Pyjamas stecken; meine Freundin würde vom Stadtbummel zurückkommen und wie schon in den letzten Tagen würden wir ein wunderbares Abendessen im Kreis der Fliegerpaare und Clubmitglieder einnehmen. Dann vielleicht ein Besuch im platzeigenen Weinkeller oder Sternschnuppenschauen? 
Wenn dies alles ein wenig verworren, ungewöhnlich oder übertrieben erscheinen mag: das gibt´s wirklich, auf einem kleinen, feinen Flugplatz in der Nähe von Szeged  mit Namen Alföldi Airfield, im Ort Szatymaz in Südungarn.
 
Wie so viele winterfrustrierte Segelflieger hatte ich im letzten Winter überlegt, wohin ein Frühlings- oder Sommerfliegerurlaub denn gehen sollte. Ein ungarischer Bekannter, dem ich einmal ein Vario verkauft hatte, gab mir den Tipp, den Platz in Szatymaz zu kontaktieren. Gesagt, getan, mail an den Betreiber. Ja, ich könnte kommen. Nein, ich müsste kein Hotel buchen, ich könnte am Platz eine kleine Hütte mieten, mit Heizung, Strom und Wasser zum Fliegertanken vor der Tür. In Peters Worten: „Bring your glider and your clothes, everything else is here!“
 
Mit dem Frühjahrsfliegen wurde es nichts, schließlich machten wir uns im August auf den Weg. Vom österreichischen Mostviertel über Wien, Ostautobahn in Richtung Ungarn, an der Grenze das Autobahnpickerl für die Nachbarn kaufen, an Budapest vorbei und ab nach Süden, mit reichlich Pausen waren wir in 6 Stunden da. Autobahnabfahrt Szeged , aber wo ist Szatymaz Airfield?*) Nach einigen Runden durch die Dörfer und nach zahlreichen Pidgin-Dialogen kommen wir dann zum Platz. Herzliches Willkommen in der Augusthitze, erste Biere, wer ist wer, das internationale Segelfliegerwillkommen. Eine Besonderheit: einige ältere Clubmitglieder mit dem alten „Küss die Hand, gnädige Frau“ Schmäh der K& K Tradition: meine Monika ist ganz hingerissen von den vielen Einladungen zum Mitfliegen!
 
Alles ist hingebungsvoll gepflegt: neue Wege, neuer Hangar, Rasen kurz gemäht, ein Platz wie im Bilderbuch. Als Peter, mit dem ich gemailt hatte, sich als Peter Szabo herausstellt, erinnere ich mich dunkel, den Namen schon einmal irgendwo gelesen zu haben. Ob er auch Wettbewerbe fliege? Ja, bei der EM sei er 8. geworden... Uups, wo bin ich denn da hingeraten mit meinen paar Flugstunden?
Am nächsten Tag mache ich mit einem Fluglehrer einen Checkflug, freundliche Kollegen helfen mir beim Aufrüsten und ab geht es in die Hitze der Startaufstellung: Auslösetemperatur ist 35 Grad Celsius. Eine Pawnee schleppt, nach ein paar Hundert Metern bin ich einem guten Bart und kurble und kurble, die Basis ist irgendwo bei 23, 2400 MSL. Bei einer Platzhöhe von 80 Metern hat man da angenehm viel Luft unter dem Rad, denk ich mir und mache mich auf den Weg nach Nordosten.
 
Für Anfänger und Intermediates im Steckenflug wie mich gibt es zwei Fluggebiete von Szatymaz aus: Nordosten, südlich der Lufträume in Richtug Békes, dann nach NNO in Richtung Debrecen. Oder, wie mir von den Profis geraten wurde, nach Westen auf den Rücken zwischen Theiß und Donau, nach Baja und weiter nach Westen oder vor Baja nach Norden bis an den Luftraum vom Kecskemet.
Ausgestattet mit einer aktuellen Wendepunktdatei und den Infos über die zahlreichen non – ICAO Privatflugplätze in Südungarn, welche sich nebst den großen Feldern im NO von Szatymaz für eine Außenlandung eignen, kann man auch als Novize relativ sicher und ungestresst auf Strecke gehen. Ungewöhnlich neben der tollen Arbeitshöhe ist für mich die geringe FLARM Ausstattungsdichte der Hobbyflieger. Also: Augen auf! Ich bin froh, einen ACL Blitzer von Horst Rupp in der Nase der DG zu haben.
 
Wunderbare Cumuli, tief unter mir die Ebene, oben gottseidank etwas kühler als beim Starten, herrlich starke Bärte, ruhig geht’s rauf und bald recht entspannt in weiten Sprüngen zu den nächsten Thermiktankstellen; spannendes und entspannendes Segelfliegen zugleich.
 
Nach der Landung rolle ich vor unsere am Platzrand liegende Hütte, schiebe den Flieger ein paar Meter, das wars – ab ins Pool.
Dort überrascht mich der Schlepppilot mit gutem Englisch und ich finde heraus, dass er zig tausende Flugstunden hat, Piloten auf der MIG 29 ausbildete und nun zur Erholung vom Linienpilotendasein schleppt und segelfliegt.
 
Er ist nicht der einzige mit dickem Flugbuch in Szatymaz: eine Handvoll der Stammpiloten haben über 20000 Flugstunden, können über alle ehemaligen Ostblockflugzeuge und deren Vor- und Nachteile stundenlang debattieren und hängen dir trotzdem das Schleppseil ein.
 
Was abgesehen von Fluggebiet, der tollen Thermik und dem professionellen Flugplatzbetrieb am meisten für Alföldi Airfield begeistert, ist das von Peters Familie gemanagte Restaurant: im Holzofen geschmorter Schweinebraten, alles, wo Paprika drin ist, das ungarische Kochbuch rauf und runter, tolles Frühstück, gute Weine, und dies alles zu einem mehr als günstigen Preis. Wir werden die Abendessen im Kreise der Szatymazer Pilotenfamilien so bald nicht vergessen!
 
Für die Leistungsflieger bietet der Alföldi Club den LX Cup und plant für die Zukunft, weitere Bewerbe auszurichten.
Der Weinkeller des Platzes ist ein weiteres Unikum: György, einer der 20000h+ Kapitäne und Leistungsflieger, führt uns in die Geheimnisse der südungarischen Rotweinproduktion ein; der Flug am nächsten Tag ist dann allerdings nicht ganz so lang...
 
Für diejenigen Tage, an denen nicht zu fliegen ist, auch so was kann´s ja mal geben, ist das nahe Szeged eine tolle Stadt mit zahlreichen Konzertevents, Shoppingmöglichkeiten, Kirchen und Museen. Und einer zu recht berühmten Spezialität, dem Fischgulyas mit Karpfen und Wels, für jeden Fischliebhaber ein Muss!
 
Als wir nach 10 Tagen arbeitsbedingt den Heimweg antreten, Wein, Paprika, frische Pfirsiche und jede Menge neue Eindrücke im Gepäck, ist uns klar: Peter, György, Laszlo, Ferenc und das Team des Alföldi Club haben uns mit ihrer ungarischen Gastfreundschaft verzaubert: wir werden 2016 wiederkommen!
 
*) Anfahrt M5/E75 ca 4 km vor Szeged verlassen für M43/E68, erste Abfahrt für die Straße 5 nehmen, diese nach Norden fahren, rechts kommt ein Fischrestaurant mit gigantischen Kochtöpfen (3 meter !), daran vorbei, nächste Abzweigung links über die Bahn nehmen (N 46.31318, E20.07511) nach ca 2 km im verbauten Gebiet rechts zum Flugplatz (ganz kleiner Wegweiser) II. Körzet, Szatymaz 6763, Ungarn, 6763 Szatymaz
 
 
Alföldi Repülöklub
6728 Szeged, Kossuth Lajos sgt. 43
+36 62 438 239
 

 

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